10. März 2026

Neue Ordnung in Sicht

Absolut gar nichts lief nach Plan, aus dem schnel­len Regime­change wurde nichts, die Golf­staaten haben ihr Ver­trauen in den „Part­ner“ Amerika ver­loren, die Welt­wirt­schaft wird bei Fort­setzung des Krieges vor die Hunde gehen und der inter­ne Druck in den USA wird immer größer. 

„Nach nur einer Woche seit Be­ginn von Donald Trumps Krieg gibt es kaum etwas zu be­richten, was den US-Präsi­den­ten er­freuen sollte oder könnte. Ein Groß­teil der ameri­kani­schen Infra­struktur im Nahen Osten wurde zer­stört, so­dass US-Soldaten nun in Hotels in den Ländern des Golf-Ko­opera­tions­rats unter­ge­bracht sind, da von ihren Stütz­punk­ten nichts mehr übrig ist. Fast alle Kriege der USA folgen dem gleichen Muster, dass Amerika seinen Feind unter­schätzt und seine eige­nen Fähig­keiten über­schätzt, und dieser Krieg ist keine Aus­nahme.“

PDF: Irans Geniestreich in den Golfstaaten

Fernblockade
Brian Berletic er­in­nert in seinem aktu­ellen Video an das US-Träu­me­lein aus Bush-Zeiten, China vom Öl abzu­schnei­den. Die Kern­aus­sagen: Der Krieg der USA gegen den Iran hat die Ener­gie­expor­te aus dem Nahen Osten nach China effektiv unter­brochen und damit einen Count­down für Chinas 100-Tage-Reser­ven ausge­löst. China strebt mit Hoch­druck nach Energie­un­ab­hän­gig­keit und bietet den USA damit eine letzte Gele­gen­­heit, China im Rah­men einer seit lan­gem ge­planten „Fern­blocka­de” wirt­schaft­lich abzu­schnei­den und aus­zu­hungern. Die USA schicken bereits zu­sätz­liche Truppen in die Region, um sicher­zu­­stellen, dass der Kon­flikt wäh­rend der ge­samten 100 Tage, die Chinas Re­serven reichen werden, an­dauert. Außer­dem sind die USA be­reits in Vene­zuela ein­mar­schiert und greifen die russi­sche Ener­gie­­pro­duk­tion und -exporte an, um diese von China abzu­schneiden. Dieser Plan wurde von der Regie­rung Bush Jr. ausge­arbei­tet und ver­folgt, was zum „Ara­bischen Früh­ling“ und der an­schlie­ßen­den Ein­krei­sung des Iran, Russ­lands und nun Chinas führte.

Wirtschaftliche Golf-Entkopplung
Michael Hudson bestätigt, dass der Iran die USA aus Nah­ost ver­trei­ben will. Die For­derun­gen: Sie sollen sich aus all ihren Militär­stütz­punk­ten in der Re­gion zurück­ziehen. Den arabi­schen OPEC-Ländern wird nahe­ge­legt, ihre engen wirt­schaft­lichen Be­zie­hun­gen zu den USA zu be­enden. Außer­dem sollen sie nicht nur die Preis­ge­stal­tung für ihr Öl und Gas in US-Dollar ein­stellen, son­dern auch ihre be­stehen­den Petro­dollar-Be­stände aus den US-Inves­titio­nen ab­ziehen, mit denen sie die Zah­lungs­bilanz der USA sub­ven­tio­nieren.

PDF: Iran will die US-Präsenz in Nahost beenden

Was erlauben Modi?
Ungewöhnlich kritische Worte von M.K. Bha­dra­kumar: Er hat den Ein­druck, dass die Regie­­rung Modi von Netan­jahu einer voll­stän­digen Ge­hirn­wäsche unter­zogen wurde, weil sie Israel nicht für den An­griff auf den Iran ver­ur­teilt. Außer­dem weist der ehe­malige indi­sche Diplo­mat darauf hin, dass die USA vor der demü­tigend­sten militä­rischen Nieder­lage ihrer mo­der­­nen Ge­schichte stehen könnten: Das ge­samte US-Öko­system, das über Jahr­zehnte hin­­weg in den Stütz­punk­ten in der Golf­region, ins­be­son­dere in den VAE, aufge­baut wurde und Billio­nen von Dollar gekostet hat, wurde zer­stört, was der Kriegs­fähig­keit des US-Zentral­kom­man­dos einen töd­lichen Schlag ver­setzt hat. Der Marine­stütz­punkt in Bahrain, Sitz des US Naval Forces Central Com­mand, wurde zer­legt.

PDF: Das ist Netanjahus Krieg

Gegenpropaganda
Der ehemalige CIA-Analyst Larry John­son be­richtet, dass der Krieg im Iran für die USA nicht gut ver­läuft und die US-Geheim­dienste nun das Wa­shing­toner Spiel „Gebt mir nicht die Schuld, ich habe euch gewarnt, das nicht zu tun“ be­ginnen. Außer­dem be­ant­wortet er Fragen seiner Leser.

PDF: Die US-Geheimdienste sichern sich ab

Vom Traum zum Albtraum
Paradoxerweise sind gerade die Golf-Staaten, die mili­täri­sche Infra­struktur finan­ziert und beher­bergt haben, um ihre eige­ne Sicher­heit zu stärken, im Falle einer regio­nalen Eska­lation zu­sätz­lichen Risiken aus­ge­setzt. Militär­stütz­punkte, die als Ab­schreckung kon­zi­­piert sind, können zu Fakto­ren strate­gischer Ge­fähr­dung werden. Für die Golf-Staaten hat sich der „ameri­kani­sche Traum“ vom Petro­dollar als böser Alb­traum er­wiesen. Und die EU gerät jetzt in ernst­hafte Ener­gie­probleme. Dieses Mal wird es nicht mög­lich sein, Putin die Schuld zu geben.

PDF: Die Widersprüche des neuen Golfkriegs


Warum fallen die Goldpreise?
Gold ist einer der liquide­sten Vermö­gens­werte über­haupt, was be­deutet, dass es oft ver­kauft wird, wenn Ver­luste an anderer Stelle ge­deckt werden müssen. Die CME hat die Margin-Sum­men für Öl-Futures er­höht und die für Gold gesenkt. Derzeit wird also Gold ver­kauft, um den Öl­schock abzu­federn – eine Situ­ation, die durch die heftigen Markt­be­we­gun­gen der letzten Tage not­wendig ge­worden ist.

PDF: Der Iran-Krieg löst rätselhaften Markttrend aus


Das „Regime der Mullahs“ und andere Vorurteile
Der Schweizer Iran-Spezi­alist Patrick Ring­gen­berg ana­lysiert, wa­rum der Westen den Iran nicht ver­steht und warum die Idee eines „Regime­wech­sels” sinn­los ist. Ein reich­hal­tiger Bil­dungs­arti­kel von der Art und Qua­lität, die seit Jahr­zehn­ten aus unseren Print­me­dien ver­schwun­den ist.

LINK: Warum der Iran den Krieg bereits gewonnen hat


Wege zur Identitäts­findung
„Bismarck fand heraus, dass patrio­tische Ge­fühle oft ein sicht­bares Sym­bol be­nötig­ten, bevor sie zum Han­deln inspi­rieren konn­ten. Dyna­stien liefer­ten die­ses Sym­bol. Die Ein­wohner Bayerns iden­tifizier­ten sich durch ihre Loya­lität gegen­über der Wittels­bacher Dyna­stie. Die Hanno­­vera­ner ver­banden ihr Zuge­hörig­keits­gefühl mit dem Welfen-Königs­haus. Sach­sen, Würt­tem­berger und Hessen ent­wickel­ten je­weils eine ähn­liche Ver­bunden­heit zu ihren eige­nen Fürsten. Diese dyna­­s­ti­schen Bin­dungen ver­wan­delten ab­strakte politi­sche Iden­tität in etwas Kon­kretes. Ein Unter­tan konnte seinen König, sei­nen Hof und die Tradi­tionen seines Staates als das leben­dige Ge­­sicht des Landes be­trachten. Durch diese Be­ziehung ge­wann die Idee des Vater­landes emo­tionale Tiefe. Bis­marck be­trach­tete daher die dyna­stische Loya­lität als ein prak­tisches Instru­ment, durch das Patrio­tismus in den Alltag Einzug hielt.” 

PDF: Bismarck und die deutsche Einheit