Absolut gar nichts lief nach Plan, aus dem schnellen Regimechange wurde nichts, die Golfstaaten haben ihr Vertrauen in den „Partner“ Amerika verloren, die Weltwirtschaft wird bei Fortsetzung des Krieges vor die Hunde gehen und der interne Druck in den USA wird immer größer.
„Nach nur einer Woche seit Beginn von Donald Trumps Krieg gibt es kaum etwas zu berichten, was den US-Präsidenten erfreuen sollte oder könnte. Ein Großteil der amerikanischen Infrastruktur im Nahen Osten wurde zerstört, sodass US-Soldaten nun in Hotels in den Ländern des Golf-Kooperationsrats untergebracht sind, da von ihren Stützpunkten nichts mehr übrig ist. Fast alle Kriege der USA folgen dem gleichen Muster, dass Amerika seinen Feind unterschätzt und seine eigenen Fähigkeiten überschätzt, und dieser Krieg ist keine Ausnahme.“
PDF: Irans Geniestreich in den Golfstaaten
Fernblockade
Brian Berletic erinnert in seinem aktuellen Video an das US-Träumelein aus Bush-Zeiten, China vom Öl abzuschneiden. Die Kernaussagen: Der Krieg der USA gegen den Iran hat die Energieexporte aus dem Nahen Osten nach China effektiv unterbrochen und damit einen Countdown für Chinas 100-Tage-Reserven ausgelöst. China strebt mit Hochdruck nach Energieunabhängigkeit und bietet den USA damit eine letzte Gelegenheit, China im Rahmen einer seit langem geplanten „Fernblockade” wirtschaftlich abzuschneiden und auszuhungern. Die USA schicken bereits zusätzliche Truppen in die Region, um sicherzustellen, dass der Konflikt während der gesamten 100 Tage, die Chinas Reserven reichen werden, andauert. Außerdem sind die USA bereits in Venezuela einmarschiert und greifen die russische Energieproduktion und -exporte an, um diese von China abzuschneiden. Dieser Plan wurde von der Regierung Bush Jr. ausgearbeitet und verfolgt, was zum „Arabischen Frühling“ und der anschließenden Einkreisung des Iran, Russlands und nun Chinas führte.
Wirtschaftliche Golf-Entkopplung
Michael Hudson bestätigt, dass der Iran die USA aus Nahost vertreiben will. Die Forderungen: Sie sollen sich aus all ihren Militärstützpunkten in der Region zurückziehen. Den arabischen OPEC-Ländern wird nahegelegt, ihre engen wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA zu beenden. Außerdem sollen sie nicht nur die Preisgestaltung für ihr Öl und Gas in US-Dollar einstellen, sondern auch ihre bestehenden Petrodollar-Bestände aus den US-Investitionen abziehen, mit denen sie die Zahlungsbilanz der USA subventionieren.
PDF: Iran will die US-Präsenz in Nahost beenden
Was erlauben Modi?
Ungewöhnlich kritische Worte von M.K. Bhadrakumar: Er hat den Eindruck, dass die Regierung Modi von Netanjahu einer vollständigen Gehirnwäsche unterzogen wurde, weil sie Israel nicht für den Angriff auf den Iran verurteilt. Außerdem weist der ehemalige indische Diplomat darauf hin, dass die USA vor der demütigendsten militärischen Niederlage ihrer modernen Geschichte stehen könnten: Das gesamte US-Ökosystem, das über Jahrzehnte hinweg in den Stützpunkten in der Golfregion, insbesondere in den VAE, aufgebaut wurde und Billionen von Dollar gekostet hat, wurde zerstört, was der Kriegsfähigkeit des US-Zentralkommandos einen tödlichen Schlag versetzt hat. Der Marinestützpunkt in Bahrain, Sitz des US Naval Forces Central Command, wurde zerlegt.
Gegenpropaganda
Der ehemalige CIA-Analyst Larry Johnson berichtet, dass der Krieg im Iran für die USA nicht gut verläuft und die US-Geheimdienste nun das Washingtoner Spiel „Gebt mir nicht die Schuld, ich habe euch gewarnt, das nicht zu tun“ beginnen. Außerdem beantwortet er Fragen seiner Leser.
PDF: Die US-Geheimdienste sichern sich ab
Vom Traum zum Albtraum
Paradoxerweise sind gerade die Golf-Staaten, die militärische Infrastruktur finanziert und beherbergt haben, um ihre eigene Sicherheit zu stärken, im Falle einer regionalen Eskalation zusätzlichen Risiken ausgesetzt. Militärstützpunkte, die als Abschreckung konzipiert sind, können zu Faktoren strategischer Gefährdung werden. Für die Golf-Staaten hat sich der „amerikanische Traum“ vom Petrodollar als böser Albtraum erwiesen. Und die EU gerät jetzt in ernsthafte Energieprobleme. Dieses Mal wird es nicht möglich sein, Putin die Schuld zu geben.
PDF: Die Widersprüche des neuen Golfkriegs
Warum fallen die Goldpreise?
Gold ist einer der liquidesten Vermögenswerte überhaupt, was bedeutet, dass es oft verkauft wird, wenn Verluste an anderer Stelle gedeckt werden müssen. Die CME hat die Margin-Summen für Öl-Futures erhöht und die für Gold gesenkt. Derzeit wird also Gold verkauft, um den Ölschock abzufedern – eine Situation, die durch die heftigen Marktbewegungen der letzten Tage notwendig geworden ist.
PDF: Der Iran-Krieg löst rätselhaften Markttrend aus
Das „Regime der Mullahs“ und andere Vorurteile
Der Schweizer Iran-Spezialist Patrick Ringgenberg analysiert, warum der Westen den Iran nicht versteht und warum die Idee eines „Regimewechsels” sinnlos ist. Ein reichhaltiger Bildungsartikel von der Art und Qualität, die seit Jahrzehnten aus unseren Printmedien verschwunden ist.
LINK: Warum der Iran den Krieg bereits gewonnen hat
Wege zur Identitätsfindung
„Bismarck fand heraus, dass patriotische Gefühle oft ein sichtbares Symbol benötigten, bevor sie zum Handeln inspirieren konnten. Dynastien lieferten dieses Symbol. Die Einwohner Bayerns identifizierten sich durch ihre Loyalität gegenüber der Wittelsbacher Dynastie. Die Hannoveraner verbanden ihr Zugehörigkeitsgefühl mit dem Welfen-Königshaus. Sachsen, Württemberger und Hessen entwickelten jeweils eine ähnliche Verbundenheit zu ihren eigenen Fürsten. Diese dynastischen Bindungen verwandelten abstrakte politische Identität in etwas Konkretes. Ein Untertan konnte seinen König, seinen Hof und die Traditionen seines Staates als das lebendige Gesicht des Landes betrachten. Durch diese Beziehung gewann die Idee des Vaterlandes emotionale Tiefe. Bismarck betrachtete daher die dynastische Loyalität als ein praktisches Instrument, durch das Patriotismus in den Alltag Einzug hielt.”