19. Februar 2026

Ein Weniges glänzt heute

… doch, um mit Hölder­lin fort­zu­fahren, es baut der ver­stän­dige Wirt den Gäs­ten das Haus: Mexiko wird offi­ziell zur welt­weiten Tank­stelle für huma­nitäre Hilfe. Präsi­dentin Shein­baum hat bestä­tigt, dass jedes Flugzeug, un­ab­hängig von seiner Her­kunft, auf mexika­nischem Boden landen und auf­tanken darf, wenn sein end­gülti­ges Ziel die Lie­ferung von Hilfs­gütern nach Kuba ist. Hinter­grund: Die USA blockie­ren alle Öl­liefe­rungen für Kuba, Flieger können dort nicht mehr be­tankt werden.


Parade der lautstarken Nichtigkeiten
Pepe Escobar zer­pflückt die Münch­ner Un­sicher­heits­kon­fe­renz: „So also planen das ab­grund­tief ver­schul­dete Im­pe­rium des Chaos und seine Hand­langer, ‚den kon­trollier­ten Nieder­gang des Wes­tens‘ umzu­kehren, ‚das Zeit­alter der Vor­herr­schaft des Wes­tens‘ wieder­zu­be­leben und ‚die größte Zivi­lisa­tion der Mensch­heits­ge­schich­te zu er­neu­ern‘. Der globale Süden ist gewarnt.“

PDF: Rekolonialisierung des Globalen Südens

Eine multipolare Re­aktion auf die Si-Ko: Rubios Rede wird als Appell zum Er­halt der uni­pola­ren Ord­nung ver­stan­den, der­weil die Multi­pola­rität be­reits Ge­stalt an­nimmt als eine neue Land­schaft, die aus vielen Gravi­­tations­­zen­tren be­steht. Jedes Zentrum ist in seinen Ent­schei­dun­gen sou­verän, jedes bringt seine eige­nen Stärken und Per­spek­tiven ein und jedes ist end­lich frei ist von der er­drücken­den Last der singu­­lären Domi­nanz, die das inter­natio­nale Sys­tem so lange er­drückt hat.

PDF: Amerika attackiert Multipolarität und Europa applaudiert


Die Widerwärtigkeit der Deal-Makerei
Der russische Verhand­lungs­füh­rer Me­din­sky teilte mit, dass die Genfer Ver­hand­lun­gen zwi­schen Russ­land, 404 und den USA be­endet sind. Sie haben etwa zwei Stunden ge­dau­ert und wer­den als „schwie­rig, aber busi­ness­like“ be­zeich­net. Laut Me­dinsky wird es in naher Zu­kunft eine neue Runde geben. Wie darf man das ver­stehen? „Be­endet“ ist der Code für „die Gespräche führen nirgendwohin“.

Alastair Crooke be­schreibt die Hinter­gründe: Ver­hand­lun­gen mit Trump, Wit­koff und Kushner lösen kein Problem, sondern sollen ein finan­ziel­les Beloh­nungs­system für west­liche Gläubi­ger, Inves­toren und Poli­tiker auf­bauen, das es schafft, „die finan­ziellen Vor­teile des Krieges zu er­halten – ohne das Neben­pro­dukt des Blut­ver­gießens”. So­bald die Zah­lungen aufge­teilt sind und das größere Zah­lungs­system orga­nisiert ist, sind – aus der Sicht von Trump und Wit­koff – „terri­tori­ale Fragen, Sicher­heits­garan­tien, EU-Mit­glied­schaft und die Posi­tion der NATO nur noch Neben­säch­­lich­keiten. Mit ande­ren Worten: Es geht nur noch um das, was wirklich zählt, näm­lich das Geld“.

PDF: Trump-Kabuki-Theater in der Ukraine


Zionistische Zwickmühle
Trump sitzt in der Falle: Israel hat ihm be­reits im Juni 2025 ge­droht, als er mit seinen Bun­ker­brecher-Bom­ben vor­preschte, in­dem es ein­fach sagte: „Wenn Sie es nicht tun, werden wir den Iran atomar an­grei­fen.“ Das hat funk­tio­niert. Dieses Mal lautet die Dro­hung: „Wenn Sie sich uns nicht an­schließen, werden wir den Iran alleine an­greifen, und Sie müssen sich mit den Kon­sequen­zen aus­ein­ander­set­zen, als erster US-Präsi­dent der jüdi­schen Lobby zu er­klären, warum der Iran Israel von der Land­karte tilgt.“

PDF: Trump zögert mit Angriff auf den Iran


Chinas mehr­schich­tige Gegen­stra­tegie
Mossad-Operatio­nen im Iran werden in China als Bei­spiel dafür inter­pre­tiert, wie sich mo­derne Kon­flikte ent­wickeln. Geheim­dienst­kriege – eine Kombi­nation aus Cyber­zugang, mensch­lichen Netz­wer­ken, admini­strati­ver Unter­wan­derung und Präzi­sions­fähig­keiten – ver­ändern das strate­gische Um­feld, bevor eine kon­ven­tio­nelle Eska­lation sicht­bar wird. Die Reak­tion Pekings spie­gelt diese Ein­schät­zung wider. Digitale Iso­lierung, Navi­gati­ons­ersatz, Radar­moder­nisie­rung, satel­liten­ge­stützte Über­wachung, multi­late­rale Ko­ordi­nation durch die SOZ und lang­fristi­ges wirt­schaft­liches En­gage­ment bilden eine mehr­schich­tige Gegen­strate­gie. In diesem Rah­men hat Resi­lienz Vor­rang vor Ver­gel­tungs­maß­nahmen. Das Ziel besteht darin, Systeme zu stärken, an­statt die Kon­fron­tation zu eska­lieren.

PDF: China bremst Mossad im Iran aus


Blick in eine andere Welt
China und die ASEAN-Staaten haben ein flexi­bles und wider­stands­fähi­ges System der regio­­nalen Zu­sam­men­arbeit auf­ge­baut, das Aus­wir­kun­gen auf eine zu­neh­mend pola­risierte Welt­ord­nung hat. Der Weg dahin war nicht ohne Schwie­rig­keiten: Mari­time Span­nun­gen im Süd­chine­sischen Meer, politi­­sche Diffe­renzen und Druck von außen haben das gegen­seitige Ver­trauen auf die Probe ge­stellt. China und die ASEAN haben je­doch ihre Fähig­keit unter Be­weis ge­stellt, Strei­tig­­kei­ten von über­ge­ord­neten strate­gischen Zielen zu trennen. Die Ver­hand­lungen über einen Ver­hal­­tens­­kodex sind zwar kom­plex und un­voll­kom­men, zeugen je­doch von diesem prag­ma­tischen An­­satz: Der Schwer­punkt liegt auf Kon­flikt­ma­nage­ment und nicht auf idea­len Lösun­gen. Es han­delt sich um eine Diplo­matie, die nicht auf Idea­lis­mus, son­dern auf einer gemein­samen strate­­gischen Reife basiert.

PDF: Das Schiff der Freundschaft


Russland braucht eine strate­gische Lösung
Sergej Karaganow ist der An­sicht, dass sich die russi­sche Stra­tegie grund­legend ändern muss: „Das Ziel ist es, den Rüc­kzug der USA aus Europa zu be­schleu­nigen. Die Metho­de ist ent­schlos­sene Ab­schreckung. Die Auf­gabe be­steht darin, die Eliten West­europas zu be­siegen, die Russo­phobie als ihre letzte poli­tische Rettungs­leine be­trach­ten. Die ein­zige Mög­lich­keit, die Eska­lation zu stoppen, be­steht darin, eine echte Bereit­schaft zu zeigen und – zu­nächst mit nicht-nukle­aren Waffen – , Kom­mando­zen­tralen, kri­tische Infra­struk­turen und Mili­tär­­stütz­punkte in euro­päi­schen Län­dern anzu­greifen, die für anti-russi­sche Opera­tionen von zen­­traler Bedeu­tung sind. Zu den Zielen sollten Orte ge­hören, an denen sich Eliten ver­sam­meln, auch in Nuklear­staaten. Die Regie­rungen müssen ein per­sön­liches Risiko spüren.“

PDF: Angst ist das Einzige, was die EU versteht


Gegen die Ostsee-Piraten
Die NATO-Länder kapern russi­sche Schiffe und planen, die Ost­see für die russi­sche See­fahrt zu sperren. Was Russ­land davon hält und welche Gegen­maß­nah­men es plant, skiz­ziert Nikolai Patru­shew in einem Inter­view.

PDF: Schutz der russischen Schifffahrt und Seegrenzen


Einzelfallbetrachtung
Der Psychi­ater Wolf­gang Meins hat aus pro­fessi­oneller Sicht einen Bei­trag zu dem U-Bahn-Wahn­sinn von Ham­burg g­eschrie­ben, bei dem „ein Mann“ eine ihm un­be­kannte 18-Jähri­ge vor eine ein­fahren­de Bahn mit in den Tod ge­rissen hat. Interes­sant ist vor allem die Be­schrei­bung der hiesi­gen sys­temi­schen Ver­wahr­losung: behörd­­liche Gleich­gültig­keit und ein un­an­gemes­sen opti­mis­tisches Men­schen­bild, viel­leicht aber auch nur eines, das sich von In­kom­pe­tenz nährt. Ariop A. war kon­tinu­ier­lich ver­haltens­auf­fällig, worü­ber aber keiner der zahl­losen Soz­Päds, die ihn durch­reichten, ge­stol­pert ist:
„Dieser hand­ver­lesene UNHCR-Flücht­ling, kör­per­lich un­ver­sehrt und im bes­ten Er­werbs­alter, mit einem zu­nächst auf drei Jahre be­friste­ten Aufent­halts­status samt vollem Kranken­­ver­siche­rungs­schutz und einem auch nach Ab­lauf dieser drei Jahre nahe­zu un­über­wind­lichen Ab­schie­be­schutz ausge­stattet, läuft ganz offen­sicht­lich über einen Zeit­raum von etwa ein­ein­halb Jahren – vom Zeit­punkt seiner An­kunft bis zu seiner Mord­tat – be­ständig aus dem Ruder, und es pas­siert so gut wie nichts.“
Die stets reflex­artig ange­führte Kriegs-Trauma­tisie­rung als Grund für den Sprung vor die U-Bahn wird brillant ver­worfen: „Er­innert sich viel­leicht je­mand daran, dass die 1945 aus Ost­preußen Geflo­henen in den fol­gen­den Jahren eine Schneise von Tot­schlag, schwe­rer Kör­per­ver­let­zung und Ver­ge­walti­gung durch ihre neue Heimat ge­zogen haben?“

LINK: Der Hamburger U-Bahn-Mord


Das Auftakt-Zitat von Hölderlin stammt aus Der Gang aufs Land. An Landauer