… doch, um mit Hölderlin fortzufahren, es baut der verständige Wirt den Gästen das Haus: Mexiko wird offiziell zur weltweiten Tankstelle für humanitäre Hilfe. Präsidentin Sheinbaum hat bestätigt, dass jedes Flugzeug, unabhängig von seiner Herkunft, auf mexikanischem Boden landen und auftanken darf, wenn sein endgültiges Ziel die Lieferung von Hilfsgütern nach Kuba ist. Hintergrund: Die USA blockieren alle Öllieferungen für Kuba, Flieger können dort nicht mehr betankt werden.
Parade der lautstarken Nichtigkeiten
Pepe Escobar zerpflückt die Münchner Unsicherheitskonferenz: „So also planen das abgrundtief verschuldete Imperium des Chaos und seine Handlanger, ‚den kontrollierten Niedergang des Westens‘ umzukehren, ‚das Zeitalter der Vorherrschaft des Westens‘ wiederzubeleben und ‚die größte Zivilisation der Menschheitsgeschichte zu erneuern‘. Der globale Süden ist gewarnt.“
PDF: Rekolonialisierung des Globalen Südens
Eine multipolare Reaktion auf die Si-Ko: Rubios Rede wird als Appell zum Erhalt der unipolaren Ordnung verstanden, derweil die Multipolarität bereits Gestalt annimmt als eine neue Landschaft, die aus vielen Gravitationszentren besteht. Jedes Zentrum ist in seinen Entscheidungen souverän, jedes bringt seine eigenen Stärken und Perspektiven ein und jedes ist endlich frei ist von der erdrückenden Last der singulären Dominanz, die das internationale System so lange erdrückt hat.
PDF: Amerika attackiert Multipolarität und Europa applaudiert
Die Widerwärtigkeit der Deal-Makerei
Der russische Verhandlungsführer Medinsky teilte mit, dass die Genfer Verhandlungen zwischen Russland, 404 und den USA beendet sind. Sie haben etwa zwei Stunden gedauert und werden als „schwierig, aber businesslike“ bezeichnet. Laut Medinsky wird es in naher Zukunft eine neue Runde geben. Wie darf man das verstehen? „Beendet“ ist der Code für „die Gespräche führen nirgendwohin“.
Alastair Crooke beschreibt die Hintergründe: Verhandlungen mit Trump, Witkoff und Kushner lösen kein Problem, sondern sollen ein finanzielles Belohnungssystem für westliche Gläubiger, Investoren und Politiker aufbauen, das es schafft, „die finanziellen Vorteile des Krieges zu erhalten – ohne das Nebenprodukt des Blutvergießens”. Sobald die Zahlungen aufgeteilt sind und das größere Zahlungssystem organisiert ist, sind – aus der Sicht von Trump und Witkoff – „territoriale Fragen, Sicherheitsgarantien, EU-Mitgliedschaft und die Position der NATO nur noch Nebensächlichkeiten. Mit anderen Worten: Es geht nur noch um das, was wirklich zählt, nämlich das Geld“.
PDF: Trump-Kabuki-Theater in der Ukraine
Zionistische Zwickmühle
Trump sitzt in der Falle: Israel hat ihm bereits im Juni 2025 gedroht, als er mit seinen Bunkerbrecher-Bomben vorpreschte, indem es einfach sagte: „Wenn Sie es nicht tun, werden wir den Iran atomar angreifen.“ Das hat funktioniert. Dieses Mal lautet die Drohung: „Wenn Sie sich uns nicht anschließen, werden wir den Iran alleine angreifen, und Sie müssen sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen, als erster US-Präsident der jüdischen Lobby zu erklären, warum der Iran Israel von der Landkarte tilgt.“
PDF: Trump zögert mit Angriff auf den Iran
Chinas mehrschichtige Gegenstrategie
Mossad-Operationen im Iran werden in China als Beispiel dafür interpretiert, wie sich moderne Konflikte entwickeln. Geheimdienstkriege – eine Kombination aus Cyberzugang, menschlichen Netzwerken, administrativer Unterwanderung und Präzisionsfähigkeiten – verändern das strategische Umfeld, bevor eine konventionelle Eskalation sichtbar wird. Die Reaktion Pekings spiegelt diese Einschätzung wider. Digitale Isolierung, Navigationsersatz, Radarmodernisierung, satellitengestützte Überwachung, multilaterale Koordination durch die SOZ und langfristiges wirtschaftliches Engagement bilden eine mehrschichtige Gegenstrategie. In diesem Rahmen hat Resilienz Vorrang vor Vergeltungsmaßnahmen. Das Ziel besteht darin, Systeme zu stärken, anstatt die Konfrontation zu eskalieren.
PDF: China bremst Mossad im Iran aus
Blick in eine andere Welt
China und die ASEAN-Staaten haben ein flexibles und widerstandsfähiges System der regionalen Zusammenarbeit aufgebaut, das Auswirkungen auf eine zunehmend polarisierte Weltordnung hat. Der Weg dahin war nicht ohne Schwierigkeiten: Maritime Spannungen im Südchinesischen Meer, politische Differenzen und Druck von außen haben das gegenseitige Vertrauen auf die Probe gestellt. China und die ASEAN haben jedoch ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, Streitigkeiten von übergeordneten strategischen Zielen zu trennen. Die Verhandlungen über einen Verhaltenskodex sind zwar komplex und unvollkommen, zeugen jedoch von diesem pragmatischen Ansatz: Der Schwerpunkt liegt auf Konfliktmanagement und nicht auf idealen Lösungen. Es handelt sich um eine Diplomatie, die nicht auf Idealismus, sondern auf einer gemeinsamen strategischen Reife basiert.
PDF: Das Schiff der Freundschaft
Russland braucht eine strategische Lösung
Sergej Karaganow ist der Ansicht, dass sich die russische Strategie grundlegend ändern muss: „Das Ziel ist es, den Rückzug der USA aus Europa zu beschleunigen. Die Methode ist entschlossene Abschreckung. Die Aufgabe besteht darin, die Eliten Westeuropas zu besiegen, die Russophobie als ihre letzte politische Rettungsleine betrachten. Die einzige Möglichkeit, die Eskalation zu stoppen, besteht darin, eine echte Bereitschaft zu zeigen und – zunächst mit nicht-nuklearen Waffen – , Kommandozentralen, kritische Infrastrukturen und Militärstützpunkte in europäischen Ländern anzugreifen, die für anti-russische Operationen von zentraler Bedeutung sind. Zu den Zielen sollten Orte gehören, an denen sich Eliten versammeln, auch in Nuklearstaaten. Die Regierungen müssen ein persönliches Risiko spüren.“
PDF: Angst ist das Einzige, was die EU versteht
Gegen die Ostsee-Piraten
Die NATO-Länder kapern russische Schiffe und planen, die Ostsee für die russische Seefahrt zu sperren. Was Russland davon hält und welche Gegenmaßnahmen es plant, skizziert Nikolai Patrushew in einem Interview.
PDF: Schutz der russischen Schifffahrt und Seegrenzen
Einzelfallbetrachtung
Der Psychiater Wolfgang Meins hat aus professioneller Sicht einen Beitrag zu dem U-Bahn-Wahnsinn von Hamburg geschrieben, bei dem „ein Mann“ eine ihm unbekannte 18-Jährige vor eine einfahrende Bahn mit in den Tod gerissen hat. Interessant ist vor allem die Beschreibung der hiesigen systemischen Verwahrlosung: behördliche Gleichgültigkeit und ein unangemessen optimistisches Menschenbild, vielleicht aber auch nur eines, das sich von Inkompetenz nährt. Ariop A. war kontinuierlich verhaltensauffällig, worüber aber keiner der zahllosen SozPäds, die ihn durchreichten, gestolpert ist:
„Dieser handverlesene UNHCR-Flüchtling, körperlich unversehrt und im besten Erwerbsalter, mit einem zunächst auf drei Jahre befristeten Aufenthaltsstatus samt vollem Krankenversicherungsschutz und einem auch nach Ablauf dieser drei Jahre nahezu unüberwindlichen Abschiebeschutz ausgestattet, läuft ganz offensichtlich über einen Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren – vom Zeitpunkt seiner Ankunft bis zu seiner Mordtat – beständig aus dem Ruder, und es passiert so gut wie nichts.“
Die stets reflexartig angeführte Kriegs-Traumatisierung als Grund für den Sprung vor die U-Bahn wird brillant verworfen: „Erinnert sich vielleicht jemand daran, dass die 1945 aus Ostpreußen Geflohenen in den folgenden Jahren eine Schneise von Totschlag, schwerer Körperverletzung und Vergewaltigung durch ihre neue Heimat gezogen haben?“
LINK: Der Hamburger U-Bahn-Mord
Das Auftakt-Zitat von Hölderlin stammt aus Der Gang aufs Land. An Landauer